MALA.



MALA.


MALA


L a n d l e i n e n    l o s

"NE 1-2" so steht der erste Wettereintrag unter dem Reisetag #01 in MALAs neuem Logbuch 2020. Ein ruhiger Einstieg. Es geht endlich los - und wir haben drei Wochen Wattenmeer vor dem Bug. Um zwei Uhr morgens kamen Lars, Gesche, Bordhund Mia und ich nach erfreulich unspektakulärer Anreise in Harlingen an, wo MALA abreiseklar in ihrer Box lag. Ein kurzer Schlaf, dann einladen, fertig packen - und um 09:30 Uhr gehen unsere Leinen los - mit Ziel "Ab ins Watt!".


#o1 - H a r l i n g e n    -    T e r s c h e l l i n g

Für diese erste Woche haben wir uns ein ganz ordentliches Programm aufgelegt: Viel draußen sein wollen wir & wenig in den Häfen. Ein paar Schlenker durch's Watt haben wir uns vorgenommen, die uns von den erfahrenen alten Wattrutschern lapidar kommentiert wurden mit: "... na, das is' aber bannich knapp, mien Jung! ...". Und etwas knapp sollte es hie und da tatsächlich noch werden.

Zunächst aber geht's durch gut bekanntes Wasser gen Terschelling. Während Teile der Crew, die gerade erst von einer Woche DHH-Segeltraining aus Flensburg zurück kamen, das ruhige Wetter zum "Trapezsegeln" unter Code-0 nutzen, sitzen andere Teile einfach nur beim Kaffee und genießen den friedlichen Start - und die Aussicht, in Kürze dann testweise in das Fahrwasser Riepel reinzurutschen. Ob das was wird?!

DHH Jugendausbildung hinterläßt neue Verhaltensmuster ;)
MALA


Denn "knapp" soll es für uns zum Warmwerden gleich zu Beginn losgehen. Den bei uns schon "gefürchteten" Abzweig Vliestroom -> Meep haben wir prima abgepaßt und es geht "Strom mit" zügig an der ersten Tonne des Riepel vorbei. Da sind wir dann allerdings noch arg früh dran, das Lot geht von 1,4m ... 1,2m ... 1,0m zügig nach unten ... und bei 0,9m wird es andächtig ruhig an Bord ;). Kaum Wind, gar keine Welle - und ein, zweimal gurgelt es verdächtig unter dem Kiel, dann sind wir tatsächlich durch! :)

Weit südlich von der Insel Terschelling rutschten wir am nördlicheren Hauptfahrwasser und Hafen vorbei und sollten unsere geruhsame Auftakt-Nacht in der Waddenzee verbringen können. Wir schlängeln uns wieder an den Fischerfähnchen vorbei (diesmal ohne eine arme Yacht unterwegs unfreiwillig mit zerreißendem Code-0 zu erschrecken ;) und erreichen unseren angestrebten Ankerplatz für die erste Nacht.

Das mittlerweile schon bewährte Grundeisen packt und hält erneut auf den ersten Versuch, genügend Kette sichert den späteren Nachtschlaf - und wir sind da! Belohnt mit absoluter Abgeschiedenheit (weit unter Land sehen wir weit hinten noch zwei liebenswerte Plattbodenschiffe - ansonsten liegen wir erfreulich alleine) und einem sen-sa-tio-nel-len Sonnenuntergang frei Haus ... was für ein schöner Beginn!

Bis 2 Uhr halten wir noch unsere erste Ankerwache und schauen dem Strom beim Kentern zu - dann fallen wir redlich müde in die Kojen und das Ankerlicht übernimmt den Rest der Nachtwache alleine ... Das hatten wir gesucht. Genau das.


#o2 - T e r s c h e l l i n g    -    A m e l a n d

Was für eine erholsame Nacht! Der erste Logbucheintrag von 8 Uhr weist NE mit 4 Bft aus. Bordhund Mia muß auf diesem ersten Tag auf ihren verdienten langen Land- oder Wattspaziergang morgens noch verzichten - und begnügt sich seufzend mit einigen Spazier-Runden ums Schiff, sowie später mit dem großen Stück Kunstrasen, das wir für solche Sonderfälle mitführen. Erst um 14:30 Uhr schwimmen wir wieder vollständig. Mittlerweile ist der Loggengeber gezogen, gereinigt und läuft wieder, dafür ist der Bluetooth-Batteriemonitor (CTEK) ausgefallen, er sendet nicht mehr. Grrr, irgendetwas ist wohl immer ...

Gegen 16 Uhr rattert die Ankerwinsch und holt die letzten Meter Kette auf. Über das Oosterom Wantij rutschen wir mit 1,1m Wassertiefe schon eine Stunde und zwanzig Minuten später. Klüver raus, Klüver weg ... ganz ohne Kiel können wir den Tonnenstrich nur teilweise halten und die Maschine läuft mit. Die Vorausrichtung des neuen Gesamt-Eletronik war beim Testsegeln noch nicht OK. Wir nutzen die ruhige Fahrt und arbeiten uns in die Korrekturmöglichkeiten ein. Nach Einbringung eines Offsets von leider satten 9° scheint alles zu passen & Vorausrichtung, Kompaß, Kontrollkompaß und Radar-Overlay liegen jetzt ordentlich beieinander.

Blauwe Balg, Borndiep ... und endlich "Maschine aus". Mit schöner Rauschefahrt und gut über 7kn geht es bis ins Molengat und dann via Brandgat bis ins Reegeul, wo vor Nes / Ameland draußen unser Anker für die nächste Nacht fällt. In direkter nähe einer wunderbaren, älteren Aluyacht, ganz klar aus der Feder von Dick Zaal, vielleicht eine Atlantic, die wir nicht kennen? Geskippert einhand von einem top-souveränen Herren geht sie am nächsten Morgen ruhig und gekonnt Ankerauf und läuft langsam davon, während wir mit frischem Kaffee und altem Fernglas gemütlich aus dem Cockpit den lokalen Seevögeln "nachstellen" :)

Morgens
MALA



#o3 - A m e l a n d    -    Flucht-Ort Noorder Spruit

Wir nutzen den schönen Morgen und spannen aus. Als wir gemeinsam feststellen, daß wir wichtige Teile der Kameraausrüstung erfolgreich in Harlingen vergessen hatten, brauchen wir allerdings erstmal etwas Rum in den Tee ;) Dann geht es wieder. Wir werden rege, mit dem Lotstab verfolgen wir das fallende Wasser rund um MALA, die friedlich trockenliegt, erstellen unsere persönliche "Tidenkurve" und halten fest, daß uns auch Fährenschwell ab 55cm Wassertiefe nicht mehr bewegen kann. Fein.

Ein kleiner Wattspaziergang führt uns kurz zum Hafen und zu einem kleinen, guten Imbiß an Land. Gemütlich sitzend mit Blick auf's eigene Boot. Herrlich. Danach ging es weiträumig über's Watt zurück. Das freut alle und ganz besonders Mia genießt das Toben auf dem Sand ausgiebig.

Lars & ich rücken mit der Gliep aus - und wir können die Kombüse an Bord tatsächlich erstmals mit 100 handgezählten und sortierten großen Krabben versorgen :) , die prompt gekocht und nachfolgend gemeinsam gepuhlt und an Rührei zusammen genossen werden. Was für eine Herrlichkeit :)

Kleine Gliepfischerchen vor Hafenkulisse ;)
MALA


Ein sehr freundlicher Segler, der den ganzen Weg zu uns rausgelaufen kam, stellt sich als der Eigner der schönen Ovni 365 vor, die uns beim vorherigen Hafenspaziergang schon aufgefallen war. Er kommt tatsächlich nur, um sich MALA anzuschauen :) und erkundigt sich intensiv über das Schiff, die Bauwerft und unsere Erfahrungen mit unserem liebenswerten kleinen Wattrutscher. Wir schnacken, vergleichen Tiefgänge und Eigenschaften & freuen uns an dem netten maritimen Austausch. Sein Lob tut gut und freut uns sehr. Nach einem sehr herzlichen Abschied steht für uns dann weniger Erfreuliches an: Der routinemäßige Blick auf die aktuellen Wetteraussichten. Und die sind ... spannend.

W e t t e r    i m    A n m a r s c h

In den Niederlanden, den lokalen Handy-Apps und durch die KNMI wurde bereits kräftig gewarnt, da sei etwas ziemlich Dickes im Anzug. In der Tat: Eine gewaltige Gewitterfront, die die Niederlange überquert und klar und deutlich Kurs auf uns nimmt. in ganz beachtlicher Breite - und mit besorgniserregenden "roten" Bereichen auf breiter Front. Für so ein Wetterereignis liegen wir ganz und gar nicht gut vor dem Steinwall neben Nes - und in Griffweite der netten Deichschafe ...

Die Situation hat schlagartig unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, während Lars sofort aussteigt und schon einmal in einem Kraftakt den Anker ausgräbt und weit in Richtung Priel zurück trägt, um ihn dort von Hand neu zu setzen. Wer weiß. Für bessere Startbedingungen. Wir wägen ab. Der kleine, volle Hafen Nes scheint uns alles andere als ideal, um dort - gedrängt mit allerlei anderen Schiffen im Päckchen - einen zünftigen "Thunderstorm" abreiten zu wollen. Was also tun?

Schön! - Aber jetzt nichts, wie weg hier.
MALA


Wir entscheiden uns für die Variante "SCHNELLSTMÖGLICH RAUS & WEG HIER". Unser Ankergeschirr hat vielfach bereits bewiesen, daß es gut halten kann. Wir wollen es sorgsam und mit viel Reserven setzen - und das Material und uns kontrolliert auf die Nagelprobe stellen. Bei 5m Wassertiefe, gutem Ankergrund, viel Raum, wenig "fetch" - und bestmöglich versteckt hinter Wattenhügeln rundum sollte so ein Fluchtort unsere wohl derzeit beste Option sein. Die Ankündigung der Wetterfrösche erreichte früh genug, sodaß wir noch handeln können. Da sind die wasseraffinen Niederlande einsame Klasse!

F l u c h t

Das Wasser beginnt wieder aufzulaufen. mit dem eintreffenden Abendhochwasser - um 19:30 Uhr - ruckt MALA erstmalig an ihrer Ankerkette. Bei nur 0,9m schieben wir uns vom Sand; ein ganz bißchen mit der Brechstange & dank neuer Ankerplatzierung gelingt das frühzeitig. Jetzt gilt's, übermäßig viel Zeit werden wir nicht haben, die beachtlich große Gewitterfront ist in den Wetter-Radar-Filmen deutlich zu verfolgen. Sie ist schnell unterwegs. Und sie wird uns erreichen, das scheint mittlerweile recht klar. Unser ausgesuchter Rückzugsort soll in der Nähe des Noorder Spruit sein - in einem recht großen "Becken" mit gutem, ankerfreundlichem Boden. Wir eilen über's Wasser ...

Platsch! Der fallende Anker durchstößt die Wasseroberfläche und entfernt sich zügig in Richtung Seegrund. 35m Kette und unsere lange doppelte Dehnleine halten uns in Position. Der Anker ist mit Sorgfalt gesetzt und nach unser Schubtabelle mit ziemlichem Nachdruck und erwartbar für > 8 Bft. tief eingefahren. - An Deck ist alles abgeräumt oder gesichert - und die Maschine läuft zum Akkuladen noch eine Stunde weiter. Windstille. Kein Hauch. Unsere Rettungswesten und das Ölzeug liegen bereit, die Strecktaue sind frei, die Extra-Sicherungsleinen montiert. Unsere Flucht-Routen sind im Plotter aktiviert, Peilungen liegen notiert auf der Navi, Stirnlampen griffbereit ... alles fühlt sich vollständig surreal an. Während das Wetterradar bestätigt, daß die Front auf jetzt ganzer Breite der Niederlande direkt auf uns zurollt. Was für ein ungutes Gefühl. Und immer noch: Ententeich. Kein Lufthauch. Aber bereits imposantes Blitzen, Wetterleuchten und schwarze Wolkentürme rundum, während das letzte Tageslicht dahinplätschert und langsam versiegt.

Vorschau.
MALA


Mittlerweile haben sich noch drei, vier andere Schiffe in der weiteren Umgebung von MALA vor Anker gelegt. Drei "über" MALA, eines weiter "unterhalb" (derzeit in Lee). Der Fluchtort scheint mehreren Schiffern zuzusagen. Wir nehmen auch die Peilungen der anderen Schiffe, haben die Funkgeräte auf Standby - und machen uns lieber noch einen kleinen Sundowner im Cockpit. Da kommt etwas Größeres auf uns zu, unsere Besorgnis steigt im gleichen Maße, wie das Wetterleuchten um uns herum deutlich zunimmt. Um 22:30 Uhr sollte es auch für uns dann losgehen.

G e w i t t e r - A u f t a k t

Zack. Als wäre ein Schalter umgelegt worden, ging es los. Ein einzelner Tropfen fällt, irgendjemand muß ja anfangen ;) Von Null aus werden die Stufen eines großen Ventilators zügig durchgeschaltet, während wir mit weiteren eintreffenden Regentropfen schnell unter Deck fliehen und uns schon mal in das Ölzeug aalen. In den 2 Minuten, die wir unten sind, geht oben der Wind schlagartig von Null über NE 3 Bft. auf SW 8 Bft. Ansatzlos. Er beginnt im Rigg zu heulen. Und MALA schwoijt um den Anker in ihre neue Lage. Schnell noch ein Blick rundum, da unsere Orientierung sich noch nicht "mitgedreht" hat. Es beginnen sich trotz Schutz schnell kurze, steile Wellen aufzubauen, die vom Wind zusammengeschoben werden und uns eine zunehmend rüde Achterbahnfahrt bescheren. Diese Heftigkeit überrascht. Dann setz der Regen ein. Und wie. Binnen Sekunden verschwindet der Bugkorb und unsere kleine sichtbare Welt bricht unter Wassermengen in sich zusammen. "... das ist gut, dann müssen wir Deck & Segel später nicht extra abspülen... " flachsen wir noch.

Uns selbst brauchen wir kurz danach mithin auch nicht mehr extra zu duschen: Der Gang nach vorne, im prasselnden Regen und Hagel, doppelt gesichert, zu zweit und mit allem, was wir an Licht einschalten oder mitnehmen können, gleicht einem kleinen Boots-Rodeo. Das Salingslicht beleuchtet das Gehoppel ... Der Bug ist redlich bemüht uns abzuwerfen - unser ängstlicher Blick gilt der Ankerentlastungsleine, ob diese auch unter den rauhen Bedingungen funktionieren würde. Zu unserem unheimlichen Glück und zu unser gewaltigen Erleichterung tut sie es hier allerbestens.

Chaos, das im Nachtdunkel gnädig verschwindet ...
MALA


Komplett geduscht zurück im Schutz des kleines "Doghouse" schalten wir kurz das Radar von Standby auf Senden. Es ist Bewegung im kleinen Ankerfeld! Drei Lichter verschieben sich zueinander, eines davon beängstigend schnell. Ankerlieger driften! Wir sind es nicht, das ist jetzt sicher - und auch GPS und die Anker-Überwachung bestätigen das. Wir liegen noch fest in unserem 40m-Kreis. Lichter. Jetzt sind aus Richtung Ameland starke Suchscheinwerfer aufgetaucht, die über die gischtverhangene Wasseroberfläche huschen. Da laufen Schiffe aus! Schiffe, die sich durch die rollenden Wellen und die Gischt grob in unsere Richtung zu kämpfen scheinen.

Auf den VHF-Kanälen ist nichts zu hören. Alles still. Sonderbar. Um 23:15 Uhr, also lediglich eine knappe 3/4 Stunde nach Beginn des ersten Böenschlages müssen tapfere Retter zwei der umliegenden Ankerlieger beistehen und diese irgendwie an den Haken nehmen, um sie einschleppen zu können. Uns stehen die Haare zu Berge vor Mitgefühl für alle. Rundum ein vollkommener Hexenkessel für unsere Maßstäbe. Chaos. Unten im gut gedämmten Salon von MALA herrscht himmlische Ruhe. Kaum eine Spur des Wettergeschehens draußen ist zu hören. Das AIS zeigt die Schleppverbände und die Gesamtsituation, die wir draußen selbst nicht mehr erkennen können.

So ein "Video aus der Not heraus" wird im Nachhinein der tatsächlichen Situation meist nicht gerecht, ich weiß das - und versuchte dennoch zu Dokumentationszwecken für uns selbst, das Handy bei einer kurzen Regenpause mit Sicht in den Wind zu halten. Für Außenstehende wahrscheinlich nur mäßig anschaulich - uns selbst allerdings stehen beim Betrachten der kurzen Sequenz auch heute rückblickend immer noch die Haare zu Berge ... ;)

Chaos im Dunkeln - nur mit Blitzlicht beleuchet


Gegen Mitternacht für eine Sekunde Ruhe, dann folgt ein schneller erneuter Winddreher und eine neue Lage an der Ankerkette für MALA. Am mittlerweile klar "gezeichneten" Schwojkreis ist erkennbar, daß das Geschirr uns derzeit an Ort und Stelle halten kann. Dann nimmt der Wind schnell ab. Jetzt NW mit 4Bft. Und schon gegen 00:15 Uhr SE mit 0-2 Bft. Danach komplette Ruhe. Die erste Welle ist durch. Das Wetterradar zeigt die 2. Welle herannahen, sie sollte uns gegen 01:30 Uhr erreichen. Wir haben eine Stunde zum Durchatmen und Verschnaufen. Wir essen etwas und prüfen an Deck einmal rundum. Alles ist gut.

G e w i t t e r - A b s p a n n

Zu unser großen Erleichterung verglimmt diese 2. Gewitterwelle spektakulär am Horizont um uns herum. Das dezimierte Ankerfeld hat es für diesmal bereits mit dieser ersten Welle hinter sich und auch die Schleppverbände sind laut AIS sicher in den schützenden Hafen gelangt. Das tut gut zu sehen. Lars und ich sitzen noch weitere zwei Stunden im nun regenfreien Cockpit, wir sprechen lange über das gerade Erlebte, reflektieren, ordnen ein - und sind aus ganzem Herzen froh und glücklich, daß wir gemeinsam ohne Probleme durch dieses Wetterereignis kommen durften. Gesche liegt unten und schläft während ihrer Freiwache. Wir sollen sie wecken, wenn es wieder losgehen würde. Das kann glücklicherweise entfallen. Der Wind bleibt auf SE - und schläft gegen 02:15 Uhr vollkommen ein. Der Himmel reißt auf und offenbart uns nassen Nachteulen einen unvergeßlichen Blick auf die Milchstraße, die oben am Firmament steht - und von unserem kleinen Erlebnis vollkommen ungerührt faszinierend zu uns herunterfunkelt. Wir können beruhigt schlafen gehen - alles bleibt gut. :) GUTE NACHT!


#o4 - A m e l a n d    -    S c h i e r m o n n i k o o g

26sm stehen auf unserem Tagesprogramm. Vom Ankerplatz soll uns dieser Schlag bis vor die Haustür des Hafens auf Schiermonnikoog führen. Dort werden wir erst spät mit der Tide ankommen und planen direkt ein Trockenfallen neben dem sich schlägelnden Fahrwasser vor der Zufahrt des Hafens. Das wird uns auch hier wohl nur knapp reichen.

Das Wantij Zuider Spruit passieren wir bei guter Tiefe von nicht weniger als 1,5m, im Wierumerwad waren es 1,3m. Mit vollen Segeln, wenig Wind und gänzlich ohne weitere "besondere" Ereignisse erreichen wir die Zufahrt und auch - einige hundert Meter vom Hafen entfernt - gerade noch den gewünschten Platz, auf den wir uns mit dem letzten Rest Wasser aus dem Fahrwasser schieben. Unser Tagespensum an Erlebnis & Aufregung ist aus der vergangenen Nacht heraus noch gut gedeckt. Wir fallen trocken, genießen die Ruhe - und es schlägt die Stunde unseres Tender-Käpt'ns :)

Landpartie
MALA


Das Beiboot wird aufgepumpt, gewassert, mit Hilfsmotor bestückt - und es steht die allererste Landausfahrt per Gummitender für Mia-Hund an. Zu unser absoluten Überraschung funktioniert das wunderbar. Unser pelziges Crewmitglied sitzt ganz entspannt vorne am Bug, darf rausgucken - und freut sich darauf, auf Schiermonnikoog richtig Auslauf zu bekommen. Einer von uns bleibt an Bord - und genießt dort dann die friedliche Ruhe :)

Als das Wasser vollständig abgelaufen ist, steige ich aus und lege auch hier den Anker nochmal um - weit in Richtung Priel. Denn auch von diesem Ort wollen wir einen "Frühstart" hinlegen, der uns in eine gute Ausgangssituation für die morgige, vielleicht spannendste Wattfahrt über drei Hochs in einem Zug bringen soll. Daß dies wetterbedingt nicht zu 100% wie geplant aufgehen würde ... können wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen ....

Schiffer-Los ... Wasser weg.
MALA


Die rückkehrende Crew lernt, daß das Wasser im Fahrwasser nicht mehr ausreicht, um auf diesem Weg nahe Niedrigwasser bis zu MALA zurück zu kommen. Es wird eine schlammbewehrte Rückwanderung, mit einem Tender-Kapitän, der tapfer sein Schiff eine weite Strecke ... ziehen muß (natürlich ganz ohne die Gelegenheit für eine gesunde Schlammpackung ungenutzt vorbeigehen zu lassen) :)

Es wird Zeit zu gehen! "Verflixt - nochmal sowas wie gestern? Ernsthaft?!"

Gegen 19:30 Uhr ist leise pläschernd ausreichend Wasser unter MALAs Kiel, sodaß wir uns an der Kette mit etwas Schiebehilfe in Richtung Priel ziehen können. Daß heute Abend ein kleines "Rennen" gegen das schwindende Tageslicht anstehen würde, das war uns aus der Törnplanung heraus klar. Mit gerade noch nautischer Dämmerung wollen wir uns bei letztem Büchsenlicht kurz vor dem Wantij am Hornhuizerwad in den Startblöcken kauernd platzieren. So der Plan.

Ausweg ...
MALA


Das Einzige, was kräftig dazwischenfunkt ist einmal mehr ... unser Wetter.
Gewahrschaut von den Erlebnissen der vergangenen Nacht sind wir nun sensibilisierter und weitsichtig vorbereitet. Während wir uns aus dem schmalen, gewundenen Fahrwasser Schiermonnikoogs schlängeln, läuft die Änderung des Tagestörnplans auf Hochtouren: Es rollt u.U. eine erneute Gewitterüberraschung an. Wir müssen woanders unterkommen, als vorgesehen.

Der Himmel sieht bereits spektakulär aus, während wir uns weiter in Richtung Zielpunkt bewegen. Eine weitere Flucht vor dem Wetter? Ja. Wir fliehen erneut im gestreckten Galopp, dicht gefolgt vom angehängten Gummitender - und von sich bedrohlich heranschiebenden, einschüchternden Wolkenbänken in Richtung Schildknoopen. Das ist etwas weniger nah am Wantij, als ursprünglich beabsichtigt - aber vom "Fluchtort" her ganz ähnlich dem gestrigen, der sich ja gut bewährt hat. Kann ein Gewitter gegen die vorherrschende Windrichtung ziehen? Dieses scheint das gut zu können ... wir geben Gas.

Fluchtweg ...
MALA


Ankunft am rettenden neuen Zielort. Der Anker fällt wie gewünscht und wieder auf rd. 5m Tiefe. Eine Yacht liegt weiter hinten in unserem "Becken", an die Wattenhügel gekuschelt. Wir selber liegen lieber (wie gestern auch) eher in der Mitte des Pools. Beide Boote harren der Dinge in Erwartung dessen, was da wohl kommen möge. In unserem Fall mit Blick fest auf das Wetterradar geheftet ... Doch diesmal sollte es einfach ... gutgehen. :)

Wir bekommen ein wunderschönes Wetterspektakel zu sehen, beinahe 360° rundum flackert & leuchtet es, während der Wind sehr moderat - und der Himmel über uns tatsächlich frei bleibt. Das Gewitter zieht um uns herum! :) Wir Glückspilze! Die Milchstraße begeistert ein weiteres Mal - und wir gehen schnell in den Kojen für den geplanten frühen Start morgen. Der kommende Tag soll uns über drei "Wattenhügel" - und MALA erstmals in deutsche Gewässer und nach Borkum führen. Wir sind gespannt.


#o5 - S c h i e r m o n n i k o o g    -    B o r k u m

08:00 Uhr: Maschine an, Anker auf. Bereits 15 Minuten später laufen wir in Richtung der Tonne LW28, am Wantij. Dieser Teil der Wattfahrt hat wenig Logbucheinträge. Unter klarem Himmel und mit nur sehr leichten SW-Winden folgen wir dem ausgetonnten oder beprickten Fahrwasser. Am Hornhuizerwad ist es mit 1,0m noch sehr knapp. Ein unheimlich netter Fischkutter, der lange vor uns läuft, ahnt, daß wir noch "Termine" haben werden - und fährt freundlichen winkend extra einen Schlenker am knappen Tonnenstrich, sodaß wir durchhuschen können. TOLL! Wir bedanken uns überschwänglich, lernen beim Passieren, daß es auf der anderen Seite des Strichs schnell unter 0,9m flach wird ;) - und kommen im schmalen Fahrstreifen bestens am Kutter vorbei. DANKE!

Rücksicht & Umsicht
MALA


Gegen Mittag haben wir unseren Dreisprung geschafft und laufen, gezogen vom Klüver, in das Ems-Fahrwasser ein. Die Gastlandflagge geht nieder - und MALA läuft mit uns erstmalig in deutsche Gewässer ein. Um 14:15 Uhr gehen unsere Leinen fest auf der ersten erreichten deutschen Nordseeinsel - Borkum. Ein breites Strahlen auf allen Gesichtern :) Geschafft!

Erste Reihe :)
MALA


Wir liegen tatsächlich als erstes Boot und praktisch alleine am Burkana Steg. Das hätten wir nicht gedacht. Ein freundliches Plattbodenschiff hat einen großartig langen Wasserschlauch dabei, sodaß auch wir 250l bunkern dürfen, er reicht gerade so bis an unseren Einfüllstutzen. Es läuft & wir auch - über die Insel nämlich.

Als wir zurück zum Hafen kommen, ist der Steg gut belegt, erste Päckchen bildeten sich aus, die auf allen Plätzen bis zum Abend zu 5er-Päckchen werden sollten. Anbei ein kleines "Wimmelbildchen" noch - wer findet MALA? ;)

Suchbild
MALA


Die Crews rund um uns sind top! Alle freundlich, gut drauf, offensichtlich erfahren und Klasse. 5 von den 25 Schiffen, die abends im Hafen liegen, wollen am kommenden Morgen um 5 Uhr früh auslaufen, wir auch. Die Päckchen sollten sich dann gemeinsam und mit toller Rücksichtnahme auflösen und neu sortieren - und MALA gleitet am kommenden Morgen in kompletter Dunkelheit gemeinsam mit dann doch 8 Booten raus in Richtung Nordsee.


#o6 - B o r k u m    -    N o r d e r n e y    -    a u ß e n r u m

04:50 Uhr. Dunkel. Müde.

Die ersten Diesel laufen an und werden aufgewärmt. Gähnend kommen Crews all überall auf den Schiffen zum Vorschein - und um 05:00 Uhr lösen sich die Verbände auf. Freundlich und ohne Getöse. Toll! Um 05:15 Uhr haben wir bereits volle Segel noch in der Hafenausfahrt stehen und lassen uns raus auf die Nordsee und in Richtung Borkum Riffgat ziehen. Es weht ein freundlicher Südwind um 3 Bft., der nachfolgend noch leicht ansteigen und uns wohl einen der bisher schönsten Segeltage bescheren wird. Ach: Und die Sonne kommt heraus.
Guten Morgen!
MALA


Halbwind reicht völlig ;) Mit im Schnitt gut über 7 kn rauschen wir die Küsten entlang, Richtung Ost, haken die Inseln ab - und brauchen die Schoten nicht einmal anzufassen. So macht das Freude! Kaum Welle, es ist warm, voraus und achtern alles frei ... allerbestes Segeln!

Intensiver Ausguck tut Not ... ;) ;)
MALA


MALA


MALA


Wir haben uns glatt verrechnet. :)
Mit soviel Speed wagten wir bei der Planung gar nicht zu kalkulieren - und wir kommen glatt 2 Stunden früher als vorgesehen an den Ansteuerungstonnen Schluchter an. Bereits um 10:45 Uhr. Das paßt für unser Einlaufen aber immer noch sehr gut. Zwischendurch bestätigt uns auf Nachfrage eines der Windparkschiffe, daß MALAs AIS-Signal klar und deutlich zu sehen ist. Das gibt uns Sicherheit.

Im Seegat liegen alle Tonnen im frisch aktualisierten Navionics-Kartensatz ... nicht da, wo sie im Wasser sind. Die NV-Karten liegen da besser. Wir setzen aktualisierte Kreuzchen in den Seekarten und dürfen eine freundliche Passage durch das Seegat erleben. Um 11:50 Uhr sind unsere Leinen bereits fest im Hafen Norderney. Das hat bestens geklappt! Wir liegen prima an Schlengeln, melden uns noch an - und laufen in die Stadt zum Essen. Uns ist das nach soviel Abgeschiedenheit im Watt insgesamt etwas zu voll überall. Die schmale Gasse im Ort Richtung Strand runter ist gar als Einbahnstraße ausgewiesen! Das ist für uns zuviel und wir flüchten über den langen Strand im großen Bogen wieder Richtung Boot. Unterwegs sommerlich schwitzend, auch das Laufen scheinen wir nicht mehr so richtig drauf zu haben ;)


#o7 - N o r d e r n e y    -    W a n g e r o o g e    -    a u ß e n r u m

Wir sind bei den frühen Vögeln, allerdings rechneten wir für diesen Schlag schon mit den angepaßt erwartbaren Geschwindigkeiten weiter. Somit also die späte Fraktion der frühen Vögel ;) Eine nette Charteryacht-Crew, die wir schon auf Borkum kennenlernten, ist zeitlich noch deutlich vor uns unterwegs und plant ebenfalls die Ansteuerung von Wangerooge. Das nette Team sollten wir später nochmal - mit unterstützender Besorgnis - sprechen.

Um 06:30 Uhr nehmen auch wir die Landleinen los - und ärgern uns erstmals über die schon vergessene "deutsche Idee" von Bezahlstrom mit Münzen am Steg. Denn das Guthaben ist über Nacht leise gewichen - mit dem Resultat, daß unsere Navigationsbatterie lediglich 90% aufweist. Unsere niederländischen Nachbarn können das besser und legen die Strompauschale passend direkt auf die Hafengebühr. Das macht gerade so etwas einfacher aus unser Sicht ...

Auch dieser ruhige Schlag über die küstennahe Nordsee wird schön - nicht ganz so blendend, wie der Tag zuvor, aber einfach gut. Wir verlassen das Watt durch das Dove Tief, das wir bei etwa 9 Uhr passieren. Es zeigt sich wieder einmal, daß Lars schlicht hervorragend Ruder geht - +/-2° um den Soll-Kurs. Bemerkenswert. :) Ein Stück vor der Ansteuerungstonne der Harle werden wir über VHF gerufen.

Die nette Chartercrew, die wir vor uns wähnten läuft uns wider entgegen! Ein schnelles Gespräch ergibt, daß sie sich unter Umständen etwas in die Schraube gewickelt haben könnten, die Maschine läuft, geht aber bei Einkuppeln aus, könnten wir etwas raten? Keine Voraussetzungen, durch ein solches Seegat zu gehen, auch nicht bei diesen eher guten Bedingungen finden wir. Nach etwas Seekarten-Gewälze bleibt unsere Empfehlung nur das Rücklaufen in den gut erreichbaren Ausgangshafen als vertretbare Empfehlung, um die Lage dort zu klarieren. Eine Woche später hören wir dann erleichtert vom Hafenmeister auf Norderney, daß dies auch so geklappt zu haben scheint. Zum Glück!

Buhne H
MALA



Wir selbst laufen weiter und durch die Harle angenehm wieder zwischen die Inseln zurück. Bei feinen Bedingungen passieren wir die Buhne H. Der vorauseilende Blick auf's kommende Wetter läßt uns den Hafen von Wangerooge anlaufen. Dort wollen wir einen Tag dranhängen und die kommende "Windwelle 6+" kommod im Hafen und auf der Insel erleben. Unser Bedarf an "Abenteuer" ist zu dem Zeitpunkt noch ausreichend gut abgedeckt ... ;)

Ab ins Körbchen für 2 Tage ;)
MALA



Wir haben Glück, liegen am Steg mit wieder mal sau netten Seglern rundum & dürfen genießen. Neben dem Steinwall außen, der zu Springzeit überflutet ist, hoppeln wir stets ein wenig rund um Hochwasser in unseren Leinen herum - liegen aber gut und sicher, wie man es sich nur wünschen kann. Allerdings auch an einem ganz besonders "münzenhungrigen" Stromautomaten anscheinend. Ebenfalls anscheinend ... ist das Problem für diesen besonderen Automaten nicht ganz umbekannt. Und dank eines großartigen Nebenliegers, der da vor Ort schon einschlägige Erfahrungen hat ;) - findet der Hafenmeister eine freundliche und absolut kundenorientierte Lösung - und unsere Energieversorgung ist für die kommenden 2 Tage gut abgedeckt. Prima!

Wir tüddeln und basteln an noch offenen Projektideen auf MALA. Immer im Wechsel mit Bechern guten Kaffees ... Ein unheimlich praktisches Insektennetz mit Magneten in der Mitte, das wir zu Hause vornähten, ist Gesche für den Niedergang gelungen! Trotz Sperre ist einfaches Rein- und Rausgehen problemlos und das Ganze verschließt sich selbsttätig nach Durchgang wieder. Klasse!

Kein Durchlaß.
MALA



Leinen an Deck werden nachgearbeitet, wir spannen erfolgreich einen angefertigten Baumwoll-Wetterschutz über das Vorluk und können ab sofort auch bei Regen und 6 Bft. lüften, ohne, daß uns die Vorschiffskojen volllaufen, begutachten den Hafen bei Niedrigwasser und stellen fest, daß zu ebendiesem Zeitpunkt kein sinnvolles Baden am Strand möglich ist ... ;)

Ansonsten ist allseits und bei allen erholsame Ruhe & echter Urlaub angesagt.

Gemeinsame, vertraute Ruhe.
MALA



Wir bleiben hier.
MALA


Glücklicherweise haben wir Zeit - "Wir sind jung, wir können warten!" ;)
Die Insel mögen wir & werden viel wandern und genießen, während es draußen weht ...

Unsere erste Segelwoche des Sommertörns geht damit zuende. Wir haben tatsächlich alle Teilabschnitte und auch Wangerooge als Etappenziel "terminrichtig" erreicht. So, wie wir es zu Hause über so lange Monate erhofft, beplant und erträumt hatten! Auch alle pingelingen Vorbereitungen für MALA haben sich ausgezahlt. Es funktionierte alles. Besser ging's nicht. Schöner auch nicht. Unheimlich intensive (und auch prägende) Erlebnisse für uns gemeinsam - aber auch immer etwas "Fahrplan-Fahren" mit der Tide.

Diese Fahrplan-Gebundenheit soll für uns nun die zweite Woche des Törn ganz bewußt etwas zurückgehen. Unser einziger Termin wird gegen Ende der Woche das Abholen von Maren bei Norddeich oder Norderney sein. Alles andere dazwischen sind kleine oder sehr kleine Hüpfer. Wir wollen schließlich alle der hübschen Inseln mitnehmen ...

Somit haben wir praktisch 7 Tage Zeit, um uns langsam und entspannt nach Westen "innen längs" durchzuaalen ... :) Daß das wetterbedingt (mal wieder) anders kommt, als ursprünglich geplant, steht auf einem anderen Blatt ...und genau das werden wir dann als nächstes auch für Euch aufzuschreiben beginnen :)

Unsere zweite Segelwoche hat also ihrens Startpunkt dann auf Wangerooge. Und beginnt mit einem Land- statt einem starkwindigen Segeltag ... sollte wir am Ende doch ein kleines bißchen lernfähig sein?! ;) ;)

In diesem Sinne,

MALA Alhena
MALA




_____________ A l l e r b e s t e   G r ü s s e    -   C r e w  v o n   M A L A   A l h e n a :) _____________

MALA.


MALA.